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Willkommen!

Schön, dass Du uns im Internet gefunden hast!

Wer sind wir?

Wir sind junge Menschen zwischen 12 und 30, die einen Elternteil durch Suizid verloren haben. Bei einigen von uns liegt der Suizid von Vater oder Mutter erst kurz zurück, bei anderen ist es schon Jahre her. Wir sind aktuell in drei Gruppen organisiert, in Bern, Zürich und Biel (bilingue). Wir treffen uns für zwei Stunden an einem Montagabend monatlich (Bern) bzw. Donnerstagabend (Zürich) und alle zwei Monate am Montagabend (Biel). Es geht uns darum, gegenseitig Tipps und Anregungen im Umgang mit den Erlebnissen im täglichen Leben zu geben. Der vertraute «Raum» für unsere Fragen, Ängste aber auch Hoffnung für unsere eigene Zukunft erlaubt es uns, die eigene Geschichte zu verarbeiten und nach vorne zu blicken.

Fragen der Hinterbliebenen

Bin ich schuld?
Ich habe immer geglaubt, ich hätte doch etwas verhindern können. Ich hätte doch in bestimmten Momenten noch was anderes sagen können, oder anders reagieren können, und überhaupt, wenn ich doch … stop ! Es ist nicht meine Schuld, dass sich ein mir nahestehender Mensch das Leben genommen hat. Es war seine Entscheidung, nicht meine. Klar tragen wir Hinterbliebenen jetzt die ganzen Konsequenzen, aber trotzdem: es war nicht unsere Entscheidung, also sind wir auch nicht verantwortlich dafür. Ich bin nicht schuld. Es ist schwer, eine so tragische Situation so nüchtern zu betrachten. Aber wenn ich’s nicht tue und mir ewig selber noch Vorwürfe mache, helfe ich auch niemandem weiter, und im Endeffekt will ich ja lernen, mit der Sache klarzukommen. by keep_smile
Weshalb gerade in meiner Familie?
Sind wir denn anders? Haben wir etwas falsch gemacht? Warum haben alle meine Kolleginnen und Kollegen «intakte» Familien und wir tragen so ein hartes Schicksal? Das ist doch nicht gerecht! Es liegt nicht an uns. Wir sind nicht weniger «normal» als andere. Wir sind halt einfach nur speziell. Klar wünsche ich mir manchmal das unbeschwerte Leben meiner Pultnachbarin, die zuhause kaum Sorgen hat und bei der alles bilderbuchmässig abläuft. Aber auf der anderen Seite habe ich dafür etwas über diese Welt gelernt, dass ihr vielleicht immer verschlossen bleiben wird. Ich habe gelernt, ganz tiefen Schmerz zu empfinden und damit zurecht zu kommen. Ich habe gelernt, auf mich zu hören und weiss, was mir gut tut, wenn ich in einem Loch stecke. Ich kannte viele Menschen, doch jetzt weiss ich, wer die richtigen Freunde sind. Madame Sonnenschein wird dies vielleicht nie lernen, immer wieder enttäuscht werden und nie wissen, wie sie sich selber fangen kann. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich dankbar bin, dass sich mein Dad das Leben genommen hat. Aber ich habe es akzeptiert und vieles daraus gelernt. Ich trage viele traurige, aber dann auch wieder gute Momente in mir. Wenn ich zum Beispiel nach einer Wanderung auf der Spitze des Berges stehe und mir der Wind um die Ohren pfeift schaue ich in den Himmel und denke: ;Hallo, Dad! Schau, wer ich geworden bin! Bist du nicht stolz?» Und dann weine ich eine Träne und lächle ihm zu. by keep_smile
Warum hat er uns das angetan?
Eine Million mal habe ich mir die Frage nach dem Warum schon gestellt – und immer andere Antworten gefunden … nein, nicht gefunden, sondern sie mir zurecht gereimt. So und so hätte es doch sein können, vielleicht hat er das und das überlegt, jenes gefühlt … Im Endeffekt werden wir es nie genau wissen. Nie … Ich fragte mich auch, ob er denn gar nicht an uns gedacht hat. Hat er sich denn nicht vorstellen können, wie sehr uns so etwas weh tun würde? Wie sehr er uns fehlen würde? Dass wir ihn hier doch noch brauchen? Ich meine, hallo Vater, du kannst mich doch hier nicht einfach so im Regen stehen lassen? Du hast mir ja gar noch nicht Autofahren beigebracht! Du weisst ja noch gar nicht, welchen Beruf ich später einmal ausüben werde? Du hast meinen Freund ja noch gar nicht kenengelernt! Du kannst doch nicht einfach so für immer gehen? Und trotzdem ist es so geschehen, er ist weg, und niemand wird je genau sagen können, warum. Aber ich bin sicher, er hatte seine Gründe. by keep_smile
Wo ist mein Vater jetzt?
Er kann doch nicht einfach weg sein? Wie ist es denn dort wo er jetzt ist? Kann er mich von dort immer noch beschützen? Ist er jetzt mein Schutzengel? Hoffentlich kann er in der «anderen Welt» über seine Probleme sprechen und sich öffnen … Hat er das helle Licht beim Durchbruch in sein neu gewähltes Leben gesehen? All diejenigen, welche schon an diesem Punkt waren reden ja immer von diesem hellen Licht und wie schön es ist und sein muss, wenn man dort hin geht? Hat er Befreiung gespürt – eine wirkliche Erlösung? Du kannst nicht für immer weg sein, keine Umarmung mehr von Dir … Für einen letzten Besuch, ein letztes Telefon, eine letzte Umarmung, einen Kuss würde ich alles geben … Ich muss lernen Deinen Entscheid zu akzeptieren! So viele Fragen und sie werden immer unbeantwortet bleiben, aber gemeinsam können wir uns helfen diesen grossen Verlust und Schmerz zu bewältigen. by andi
Wie weiter?
Unzählige Male stellte ich mir diese Frage – und genau so viele Male bin ich auch an ihr verzweifelt. Wie weiter??? Ja sag schon, wie gehts denn jetzt weiter …? Mit dem Suizid meines Vaters brach meine Welt zusammen. Alles war tief schwarz, und ich wusste nicht weiter. Wie sollte ich je wieder normal leben können, lachen, glücklich sein können? Es hatte alles so keinen Sinn mehr. Aber die Minuten vergingen, und auch die Stunden: schlaflos, ruhelos, voller Schmerz. Aber sie vergingen, eine nach der anderen, langsam und schleppend zogen die Tage an mir vorbei … Irgendwann war dann die Beerdigung vorüber, und ich hatte all die offiziellen Kondolations-Briefe gelesen. Dann war da plötzlich Stille, und ganz tief in mir drinnen eine Leere. Alle lebten ihr normales Leben weiter. Ich sah, wie meine Kolleginnen und Kollegen weiter brav zur Uni oder zur Arbeit gingen, über eine Sportverletzung klagten oder ganze Nachmittage mit shoppen verbrachten. Und mittendrin war ich, wie auf einer Insel. Verstehen konnte mich niemand so genau, und auch ich konnte noch nicht genau begreifen, was da eigentlich passiert war. Innerlich war ich gelähmt. Wir fuhren dann bald in die Ferien, und ich konnte etwas räumlichen Abstand zu der ganzen Sache gewinnen. Das half mir enorm, obwohl man Gefühle immer und überall mit sich trägt. Ich fand den Weg zurück in mein «normales» Leben wieder, indem ich mir Zeit liess zum Nachdenken, zum traurig sein, und um meine ganze kleine Welt …

Selbstachtung

Nadine erzählt, was ihr die Gruppe gebracht hat.

Ermutigung

Mariola hilft es, dass sie mit ihrer Geschichte nicht alleine ist.

Selbsthilfegruppe?
«Selbsthilfegruppe» oder «Interessengruppe»: Die Bezeichnung ist für uns nicht zentral. Wir sehen uns als eine Gruppe, in der man sich austauscht und damit bei uns Betroffenen eine Art Selbstheilung auslöst. Ebenso sind wir der Meinung, dass die meiste Zeit unserer Abende für den gegenseitigen Gedankenaustausch genutzt werden soll. Wichtig: Nebelmeer ist politisch und konfessionell neutral.

Wie ist die Gruppe entstanden?
Menschen, die ihren Partner durch Suizid verloren haben, können sich in den geführten Selbsthilfegruppen vom Verein Refugium treffen. Jörg Weisshaupt leitet solche Gruppen in Zürich. Für Jugendliche von Suizidenten gab es bisher keine Selbsthilfeangebote. Sie bleiben oft sich selbst überlassen, weil sich die Betreuer eher um den zurückbleibenden Elternteil kümmern. Dieser überträgt seinen Kindern manchmal Aufgaben, denen sie nicht immer gewachsen sind (andere Wohnung suchen, Hausräumung, «Partnerersatz»). Deshalb begann Jörg Weisshaupt im Frühjahr 2004 in Zürich mit einer Gruppe junger Betroffener, mit dem Nebelmeer. Seit 2009 trifft sich zudem eine Gruppe in Bern, seit 2014 auch eine bilingue in Biel.

Sind die Treffen verbindlich?
Es ist für den Zusammenhalt der Gruppe wichtig, dass das «Geben und Nehmen» gelebt wird. Dies bedingt natürlich eine aktives Team, sprich: regelmässige Teilnahme an den Treffen. Wann die Treffen stattfinden, siehst du, wenn Du auf «Willkommen im Nebelmeer klickst!» . Damit wir voneinander wissen, wer kommt, melden sich die Gruppenmitglieder bei der Leitungsperson ab, wenn sie am Gruppenabend nicht teilnehmen können.

Wie soll ich vorgehen, wenn ich mich für eine Teilnahme interessiere?
Gerne laden wir dich für einen Schnupperabend ein! Wenn du gerne eine Gruppe besuchen möchtest, schreibst Du einfach eine E-Mail an die betreffende Leitungsperson.

Wann und wo treffen wir uns?

Treff- und Zeitpunkte der Gruppen
Die Nebelmeergruppen sind geleitete Selbsthilfegruppen

Leitungsteam

Wir begleiten die Gruppenmitglieder, solange sie die Gruppe als hilfreich erachten und bestärken sie, sich eigenverantwortlich in den Gruppen zu engagieren.
Liliane Blank

Liliane Blank

Gruppen Bern und Biel
bern@nebelmeer.net
079 531 57 76

Pfarrerin und Seelsorgerin

Jörg Weisshaupt

Jörg Weisshaupt

Gruppe Zürich und Gesamtleitung
joerg@weisshaupt.ch
+4176 598 45 30

Gründer der geführten Selbsthilfegruppen
und Geschäftsführer Verein trauernetz

Wir freuen uns über Deine Teilname an folgenden Veranstaltungen!
Unser Tag der Achtsamkeit

Zu diesem Treffen sind alle aktiven und ehemaligen aus den Gruppen von nebelmeer und Refugium herzlich eingeladen. Willkommen sind auch Freunde oder Familienangehörigen.

Zum Inhalt

Achtsamkeit als Schlüssel zu mehr Bewusstheit und Annahme von dem, was ist

Es gibt starke Gefühle, die schön sein können, aber auch solche die unangenehm und belastend sind. Durch die Achtsamkeit können wir zum Beobachter werden und die Gedanken und Gefühle betrachten und ihre Vergänglichkeit erkennen. So müssen wir uns nicht mehr von ihnen überfluten lassen. Es geht weder darum, die Gedanken und Gefühle zu bagatellisieren, noch sie nicht für überwichtig zu nehmen, sondern es geht darum, nicht von ihnen bestimmt zu werden und ihnen nicht mit Widerstand zu begegnen. Lerne und erlebe an diesem Tag verschiedene Achtsamkeitsübungen, die dir helfen, mehr Bewusstsein und Akzeptanz in deinen Alltag und in dein Leben zu bringen. Zu diesen Übungen leitet uns Irina Schumacher an. Sie ist Coach für Persönlichkeitsstärkung, Achtsamkeits- und Yogalehrerin.

www.irinaschumacher.ch

«Outdoor Guide» Tobias Thomann fühlt sich in der Natur wie zu Hause. Er leitet uns durch diesen Sonntag: Der plötzliche Verlust eines geliebten Menschen durch Suizid, führt unausweichlich zu einem Ungleichgewicht der momentanen Lebenssituation. Diese Situation verdeutlichen wir uns mit Hilfe eines Mobiles, das wir aus Gegenständen herstellen, die wir im Wald antreffen.

Das Feuer

Das Lagerfeuer spielt an diesem Sonntag eine zentrale Rolle. Alle geben acht darauf, dass es solange wir beisammen sind, nicht ausgeht und allen Wärme spendet. Es ist der Ort, an dem wir uns immer wieder gemeinsam zurückfinden.

Programm

  • Besammlung
  • Feuer machen/Lager einrichten
  • Programm Irina
  • Gemeinsames Mittagessen
  • Werkstatt / Outdoor Mobile
  • Programm Irina
  • Vernissage/Zvieri
  • Abschied

Mitnehmen Teilnehmer

  • 3 Sachen, die du gerne unterwegs zu Mittag isst
  • Sackmesser
  • Haushaltsschnur
  • Tasse/Teller
  • Wetterfeste Kleidung/Schuhe für im Wald

Bitte melde Dich und ev. weiter Personen an, indem Du mir eine E-Mailnachricht bis am 3. Juli schreibst.

Countdown bis zum Weltsuizidpräventionstag, Motto: “Working Together to Prevent Suicide”, "Miteinander Suizid verhindern"

Day(s)
Hour(s)
Minute(s)
Second(s)

Weitere Infos

Jedes Jahr im Mai findet der “Darkness into Light” Lauf statt – ein Anlass, bei dem Menschen zusammenkommen, um gemeinsam von der Dunkelheit der Nacht ins Licht des Morgens zu gehen und sich für den globalen Kampf gegen Suizid und Selbstverletzung stark zu machen. Hinter dieser Idee steht die irische Organisation Pieta House, die kostenlose therapeutischen Beratung und Unterstützung für Menschen bietet, die mit psychischen Problemen und Suizidgedanken konfrontiert sind.

Was in 2009 als kleiner Event in Dublin begann, ist heute zu einem internationalen Anlass geworden: Letztes Jahr haben über 200,000 Menschen in 150 Städten auf der ganzen Welt am „Darkness into Light“ 5km-Lauf teilgenommen. Einen guten Eindruck bekommen Sie in diesem Video aus 2018.

Zürich Inneoin GAA, ein Irischer Sportverein in Zürich, hat sich dafür eingesetzt, dass 2019 auch in Zürich ein solcher Anlass stattfindet. Herzlichen Dank!

Eindrücke vom ersten DIL-Walk in der Schweiz

Hilft Du mit, im Mai 2020 den DIL-Walk national zu organisieren? Wir sind auf Deine Unterstützung angewiesen!


Ehemalige erinnern sich …

Ich habe den Suizid meines Vaters – ganz typisch Mann – erst einmal vor mich hergeschoben und erst noch gemeint, es gehe mir eigentlich ganz gut. Als meine Schwester und ich in die TV-Sendung «QUER» eingeladen wurden, bin ich jedoch schlagartig eines Besseren belehrt worden: Ich sah mit meinen eigenen Augen und spührte mit meinen eigenen Gefühlen, dass alle anderen Betroffenen in dieser Sendung viel, viel weiter mit ihrer Verarbeitung des Geschehens waren als ich. Das hat mich dazu veranlasst, dieser Gruppe beizutreten. Ich kann es jedem, und vor allem jedem Mann, der dieses schlimme Geschehnis auch erleben musste, nur empfehlen, hier mitzumachen. Ob das nun «männlich» ist oder nicht, spielt hier nun wirklich keine Rolle!

Marco

Als ich zufälligerweise im Internet auf die Selbsthilfegruppe Nebelmeer stiess, lag der Suizid meiner Mutter bereits einige Jahre zurück und ich hatte einen passablen Weg gefunden, damit umzugehen. Doch schon das erste Treffen zeigte mir, das mir trotzdem noch etwas sehr Wichtiges gefehlt hatte – Menschen, die wirklich verstehen. Ich durfte erzählen, ohne Angst haben zu müssen, mein Gegenüber zu überfordern, und ich durfte zuhören, mitfühlen und mittragen. All das war ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zurück in ein unbeschwertes und glückliches Leben.

Gabi

Die Gruppe war ein guter Raum für mich, um den Suizid zu verarbeiten. Wir hatten eine starke gemeinsame Basis, verstanden einander, ohne allzu viel erklären zu müssen. Für andere Menschen ist das alles schwierig nachvollziehbar und demzufolge brauchen sie mehr Erklärungen. Dazu hat man in der Trauerphase manchmal keine Kraft oder Lust. Auch wenn ich schlussendlich meine eigene Geschichte selbst aufarbeiten durfte, erfuhr ich in den Gesprächen in der Gruppe, wie andere damit umgingen. Dadurch war mir mein Schicksal verständlicher – ich war und bin nicht die Einzige, der so etwas passiert ist. Ich fühlte mich aufgehoben.

Esther

Ich fand die regelmässigen Nebelmeer-Treffen sehr hilfreich bei der Trauerbewältigung. Sie bieten Raum für Gefühle wie Wut oder Trauer. Die Begegnung mit anderen “survivors” und der gemeinsame Austausch half mir, den Suizid von meinem Vater zu verarbeiten. Es tat gut, mit Menschen zu sprechen, welche etwas ähnliches erlebt haben und sich verstanden zu fühlen! Zudem leistet das Nebelmeer mit seinem Engagement Z.B. am weltweiten Suizidpräventionstag einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung von Suizid.

Anna

Noch Fragen?

Jetzt ist es an Dir, den nächsten Schritt zu tun! Entscheide Dich, in welcher Stadt Du den Kontakt zu einer Nebelmeergruppe suchen willst und melde Dich bei der entsprechenden Begleitperson. Wir freuen uns auf Deine Textnachicht!
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«Was chunt nachem Tod?»

Ein Film von Marcel Fässler